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Unbequem

Stellen Sie sich vor, Sie sind einmal Unternehmensberater und sitzen in einem Beratungsgespräch mit dem neuen Alleingeschäftsführer A eines Unternehmens. Dieser berichtet Ihnen von Schwierigkeiten in seiner Mannschaft. Dann erzählt er Ihnen besonders von einem speziellen Typen, nennen wir ihn 'X', der ihm die meisten Scherereien macht. Sie bekommen den Auftrag, einen Weg aus dieser Krise aufzuzeigen.

Um sich ein eigenes Bild zu machen, setzen Sie sich mit den Mitarbeitern zusammen. Diese mauern zuerst und wollen gar nicht offen mit Ihnen reden. Es gelingt Ihnen in mehreren Gesprächen das Vertrauen der Gruppe zu gewinnen und das Eis bricht. Eine völlig andere Sicht offenbart sich Ihnen. Sie erfahren von Frustrationen, Zurückweisungen, einsamen Entscheidungen der Geschäftsleitung, abwandernden Kunden und vielem mehr. Besonders X tut sich als initiativ und kreativ hervor. Er beschreibt nicht nur, wie er die Dinge sieht, er liefert auch jedes Mal einen möglicherweise umsetzbaren Lösungsvorschlag.

In einem weiteren Gespräch mit dem Geschäftsführer versuchen Sie, beide Sichtweisen abzugleichen. Ohne Namen zu nennen, bringen Sie Beispiele und fragen nach seiner Meinung dazu. Im Grunde antwortet er immer gleich, er sei der Chef und trage die Verantwortung, seine Mitarbeiter seien nicht qualifiziert um langfristige unternehmerische Beurteilungen abzugeben. Sie spüren deutlich, dass er mit Ihrer Arbeit nicht zufrieden ist.

Nachdem Sie sich in der Branche des Unternehmens genauer umgesehen, Marktentwicklungen recherchiert und mit einigen Kunden gesprochen haben, geben Sie Ihren Vorschlag ab. Sie präsentieren Ihren Schluss, dass die Menschen in diesem Unternehmen voller guten Willen sind, sehr gute Kenntnisse vom Markt besitzen und wichtige Informationen für die Geschäftsleitung haben. Sie empfehlen die Kenntnisse der Mitarbeiter zu würdigen, X zu befördern und seine Initiativkraft für das Unternehmen zu nutzen.

Freundlich bedankt sich A. Er will es sich überlegen. Wenn Sie ihn dann später anrufen, werden Sie abgewimmelt. Durch Dritte erfahren Sie, wie A sich vor Geschäftsführerkollegen über Ihre inkompetente Arbeit aufgeregt hat.

Im folgenden Jahr macht sich X mit einer seiner Produktideen selbstständig. In fünf Jahren wächst das Unternehmen von X stetig. Er ist sehr gestresst aber glücklich. Bei A jedoch gehen die Umsätze zurück und Mitarbeiter müssen entlassen werden.

Ein Extrembeispiel, sicher, aber daran ist deutlich ein Dilemma zu erkennen:

Wer im Konjunktiv lebt und immer nur davon spricht, was sie oder er alles tun müsste, wöllte und könnte, sich dann aber den Gegebenheiten unterwirft, der wird sich selbst nie wirklich anstrengen und auch nicht für andere anstrengend sein.

Wer jedoch, wie X, die Chance hat etwas zu bewegen, wer leben will was in ihm steckt, wer an sich glaubt, wer bereit und willens ist etwas zu leisten, der wird es selten bequem haben und noch seltener wird er bequem sein. Aber eben dieser Unbequeme ist es, der etwas weiter und voran bringt.

 

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