Bernhard Fiebig

14. 12. 2017

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Wie ich von der Pfefferminze etwas für das Leben lernte

Foto der Pfefferminz zu dieser GeschichteEs war einmal ein brüllend brütender Sommertag. Die Sonne brannte und wollte nicht untergehen. Ich saß schattig in einem Garten und schlürfte eisgekühlten Pfefferminztee beim Lesen und Träumen. So lies es sich aushalten. Mir ging es gut.
Irgendwann war Abend. Selbst jetzt war es zum Grillen noch zu heiß. Wir aßen nur etwas Brot und Käse, tranken weiter vom Tee. Entspannt schwatzten wir vom Alltag, vom Leben und was einen jeden so bewegt. Keiner wollte heim, doch der nächste Tag und unsere Arbeit riefen nach uns. Also machten wir uns auf den Weg. Ein jeder in seine Welt.

Von dem Hausherren hatte ich mir etwas Pfefferminze erbeten und bekommen. Einige Stengel machten sich sterbend mit mir auf den Heimweg. Müde, wie ich war, legte ich sie rasch auf einen Teller und spritzte etwas Wasser darüber, damit sie länger frisch blieben. Dann ging ich duschen und zu Bett.

Der nächste Tag war voller Hast und schon der Morgen lies keine Zeit den leckeren Tee vom Vortag wieder zu kochen. Ich brachte den Tag und seine Aufgaben zum bestmöglichen Ende und kam unzufrieden ob des Stresses ausgesprochen lustlos zurück. Genauso lustlos und ein wenig mechanisch machte ich mich daran Tee zu kochen.

Ich konnte es nicht. Die Pfefferminzstengel hatten sich, obwohl ihr weiterer Werdegang sonnenklar war, kraftvoll aus dem Liegen aufgerichtet und zeigten mir ihre pralle Lust am Leben. Ich füllte eine Vase und stellte sie hinein.

Es war bloß Pfefferminze und natürlich hielten die Stengel in der Vase nur noch einige Tage, aber dieses Grün lehrte mich, dass es keinen Grund gibt, den Kopf hängen zu lassen.